Dienstag / 15.01.2019 / 20:00 Uhr

Axel Schluß

Axel

"Das Phantom von Münster - ein Abend von Freunden für einen Freund" am Dienstag, 15. Januar 2019 im Jovel Club, Albersloher Weg 54.

Beginn 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr.

Tickets gibt es (nur an der Abendkasse!) für 5 Euro, dafür erhalten Besucher auch ein Exemplar des Plakats (solange der Vorrat reicht).

Als der münstersche Multimedia-Künstler AXEL SCHULß am frühen Morgen des 15. Januar 2009 – drei Tage vor seinem 57. Geburtstag – unter dem Dach der Raphaelsklinik seinen Kampf gegen die heimtückische Krankheit Multiple Sklerose verlor, an der er seit Jahren litt, hinterließ er ein gewaltiges Werk. Sowohl inhaltlich, wie auch quantitativ. Bis kurz vor seinem Tod arbeitete der Texter, Sänger, Musiker, Kunstmaler, Schauspieler, Journalist und Aktionskünstler beinahe bis zur Erschöpfung an neuen kreativen Ideen. Ein halbes Jahr vor seinem Tod drückte Axel seinem Freund, dem Autor und Liedermacher Marius Münster, eine DVD in die Hand zur treuhänderischen Verwaltung. Auf dem Datenträger fanden sich über 60 Bilder, die Schulß „Digitalradierungen“ nannte, plus über 30 dazu gehörige Texte. Im Auftrag eines kapitalkräftigen Konsortiums schrieb Schulß zusammen mit seinem Berliner Freund VOLKER FÜHRER von 2004 bis 2006 an dem Libretto für die Fortsetzung des Andrew Lloyd Webber-Musicals „Das Phantom der Oper“. Obwohl die Songtexte euphorisch angenommen wurden und der damals auch bereits schwerkranke Komponist PEER RABEN (u.a. für Fassbinders TV-Serie „Berlin Alexanderplatz“) bereits die Musik dazu fertig gestellt hatte, wurde aus Gründen, die nie erklärt wurden, das Musical-Projekt nicht realisiert. Schulß wollte die Texte aber nicht einfach in der Schublade verschwinden lassen. Und so schuf er zu jedem der Texte, ein oder zwei der zahlreichen Digitalradierungen, die er unter dem Titel „Das Phantom aus Münster“ inhaltlich zusammenfasste. Die Bilder sind größtenteils angelegt wie Standfotos einer Theateraufführung: Mit Bühne, Vorhängen, zahlreichen Akteuren aus Münsters Künstlerszene, in der Schulß tief verwurzelt war, aber auch mit „Darstellern“ aus Hollywoods Traumwerkstatt wie Gwyneth Paltrow, Kenneth Branagh, Elisabeth Taylor und „Baby Herman“, der Zigarre rauchenden Zeichentrickfigur aus „Roger Rabbit“. In mühevoller Kleinarbeit setzte Schulß am Computer die Bilder aus unzähligen Einzelfotos zusammen. Das Ergebnis sind aufwändige Mosaike zwischen demonstrativer Lebensfreude, hintergründigen Anspielungen auf den Zeitgeist und feinsinnigem Humor. Zum 10. Todestag von Axel Schulß am 15. Januar 2019 entschloss sich JOVEL-Gründer STEFFI STEPHAN, langjähriger Freund und künstlerischer Wegbegleiter von Axel Schulß, diesen Ausnahmekünstler und Sohn der Stadt Münster mit einem speziellen Abend zu ehren. Auf der Großbildleinwand des JOVEL Clubs werden erstmals einer breiten Öffentlichkeit sämtliche Texte und Digitalradierungen von DAS PHANTOM AUS MÜNSTER eindrucksvoll präsentiert. Selbstverständlich werden an diesem Dienstagabend im JOVEL Club auch die Freunde von Axels Songs und Texten nicht zu kurz kommen: unter der musikalischen Regie von THOMAS PAßMANN-ENGEL werden zahlreiche Freunde von Axel Schulß auf der Bühne stehen, die nur für diesen Abend u.a. aus Berlin und den Niederlanden nach Münster kommen, um mit Songs der „GEBRÜDER ENGEL“ und der „AXEL SCHULZ BAND 1“ an diesen vielseitigen Sohn der Stadt Münster zu erinnern und ihm zu Ehren eine Party zu feiern, wie es Axel sicherlich gefallen hätte. Neben zahlreichen Musikern aus Nah und Fern werden außerdem für eine Hommage an Axel Schulß erwartet: der Schriftsteller Burkhard Spinnen und seine Schwester Bernadette Spinnen (ehemalige Kulturamtsleiterin und heute Münster Marketing), sowie der Buchautor, Grafiker und als „Tortengraf“ bekannte Wahl-Berliner und gebürtige Münsteraner Lo Graf von Blickensdorf. Biographische u. künstlerische Stationen von Axel Schulß (Axel Schulz) - geboren wurde Axel mit dem Familiennamen Schulz am 18.01.1952. Sein Vater war die Preußen-Münster Fußballer-Legende Rudi Schulz. Die Schreibweise seines Familiennamens änderte Axel um die Jahrtausendwende in „Schulß“ als Protest dagegen, dass im Rahmen der ersten von insgesamt drei Rechtschreibreformen der Deutschen Sprache, der Buchstabe „ß“ quasi abgeschafft werden sollte. Axels künstlerische Karriere begann Anfang der 1970er Jahre als Musiker, Texter und Sänger für lokale Rockgruppen namens IMAGE und LOLITA, aus der Ende der 70er Jahre die GEBRÜDER ENGEL hervorgingen. Durch deren vor allem politisch provokanten Texte und ihre Konzerte auf „Rock gegen Rechts-Festivals wurden die „Gebr.Engel“ schnell auch bundesweit bekannt. Songs wie „Klau, Lies und Kotz!“ (über die Bild-Zeitung), „Der Kandidat“ (über F.-J. Strauß) und ihre Anti-Neonazi-Hymne „Sie fangen wieder an“ wurden zwar regelmäßig zensiert und waren somit nur selten im Radio zu hören. Umso mehr liebten sie dafür ihre Fans, Rockmagazine und die einschlägige Presse. Die bekanntesten LPs waren SKANDAL und MAGENGESICHT. Mitte der 1980er wurde es still um die „Gebr.Engel“ und Axel Schulß tobte sich aus als avantgardistischer Erfinder von Texten in ‚Denglisch’. Unter dem Pseudonym John Buttermann veröffentlichte er sein erstes Soloalbum „Papertiger And The Cat Cammerorchestra - Tee-Age“. Es folgte die LP „0001“, auf dem er u.a. Hildegard Knefs Chanson „Für mich soll’s Rote Rosen regnen’ interpretierte. Als einer der ersten deutschen Künstler brachte Axel, damals noch ‚Schulz’, - auch in den 1980ern- sein Album „Ich lass erst den Fluß vorbei“ ausschließlich als CD heraus. Sämtliche Texte dieser CD ließ Axel auf einen Gelenk-Omnibus der Stadtwerke kleben, der damit ein gutes halbes Jahr durch Münster fuhr. Unterstützt wurde diese Aktion vom Rat der Stadt Münster und OB Twenhöven. Sein nächstes Album „MILDE SORTE“, auch nur als CD veröffentlicht auf dem Label „Jaguar Records“ aus Rheine enthält die bis heute gültigsten Lieder des unangepassten Wortartisten und wurde vom WDR zur „CD des Monats“ gekürt. Der Refrain des Songs „Ade Ballade“ (Schade, Schade, Schade, Schade) wurde regelmäßig gespielt, wenn ein Telefon-Mitspieler beim WDR-Hörerquiz verloren hatte. Es folgte Anfang der 1990er Jahre die CD „Du und ich und die und die“, letztmals auf dem Label Jaguar/Kauz inpetendent. Die nächsten CDs von Axel erschienen nur noch in kleiner Stückzahl im Eigenverlag, was heute sehr unverständlich erscheint. Hatte Schulß doch bei diesen, seinen letzten Songs, erstaunliche Tonexperimente zusammen mit seinem Produzenten Otto Rasche erschaffen. Mitte der 1980er Jahre fing Axel Schulß an, kleine Zeichnungen zu erstellen. Bereits anderthalb Jahre später staunten Freund und Feind nicht wenig, als zahlreiche u.a. großformatige Ölgemälde entstanden waren. Axel nannte seine Bilder MUNKENMALEREI. Die Kaufmannschaft Bült/Hörsterstraße inspirierte Axel 2001 nicht nur zur 1. Hörster Fensterschau, bei der bekannte und unbekannte Künstler aus Münster und dem Münsterland ihre Werke zwei Wochen lang in den Schaufenstern der dortigen Ladenlokale ausstellen konnten. Er konnte auch Immobilienbesitzer von leerstehenden Ladenlokalen dazu bewegen, ihm lediglich für Strom- u. Heizkosten die Räumlichkeiten zu überlassen. Er nannte diese Räume „Ü“ (für Übergang) und schnell wurden diese zu Begegnungsstätten für Künstler und Kunstfreunde. Es entstanden dort Fotos und Holzschnitte, Konzerte und Ausstellungen wurden veranstaltet, und wochenlang las Schulß jeden Abend im ersten „Ü“ an der Hörsterstraße ein Kapitel aus Robert Musils üppigen Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“, live vor Publikum und vor einer ans Netz angeschlossenen Webcam, die live in alle Welt die Lesung übertrug.

Einlass:15.01.2019 19:00 Uhr
Beginn:15.01.2019 20:00 Uhr
Kosten:AK 5 Euro

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